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Wichtig für das Leben!Pro- und Präbiotika

Jahrzehnte habe ich unter einem ausgeprägten Reizdarm-Syndrom gelitten. Mal habe ich geglaubt, ich hätte einen Hefepilz im Darm, dann vermutete ich eine Laktose-Intoleranz, später hatte ich abwechselnd Weizenmehl, Zucker oder Fruktose als Übertäter im Visier. Heute weiß ich, dass nichts davon stimmte!

Seit ich mich bewußt um die Kleinstlebewesen in meinem Darm kümmere und mich so ernähre, dass es ihnen gut geht, machen mir weder Darm noch Psyche Probleme.

Keine Angst, es folgt jetzt keine Lobrede auf „functional food“! Es geht hier nur darum, das Bewusstsein für einen gesundheitsfördernden Umgang mit unserem Darm und unserer Nahrung zu schärfen! So einfach ist das! Euer Essen sei eure Medizin!

Probiotika sind wichtig für die Darmgesundheit

Ich habe selbst erfahren, dass Probiotika wichtig für das Leben sind. Probiotika sind Mikroorganismen, die normalerweise natürlich beim Menschen vorkommen. Diese Bakterien machen nicht krank, sondern gesund! Und sie werden von der Magensäure und der Galle nicht zerstörtSie erreichen den Dickdarm lebend und können dort ihre wichtige Aufgabe erfüllen. Das Problem besteht darin, dass diese hilfreichenden Zwerge nicht dauerhaft in der Darmschleimhaut angesiedelt werden. Sie werden von der sensiblen Immunabwehr des Darms zwar nicht angegriffen, sondern wie körpereigene Zellen behandelt, dennoch werden sie nach einiger Zeit ausgeschieden und müssen über die Nahrung neu hinzugeführt werden. Hier kommt meine hochgelobte Kefirmilch als Lieferant ins Spiel! Sie ist ein Probiotika erster Güte! 

Allerdings muss ich an dieser Stelle zugeben, dass ich zu Beginn meiner Ernährungsumstellung eine sogenannte "Darmsanierung" gemacht habe. Dabei habe ich einen Cocktail an Darmbakterien in Kapselform zu mir genommen. In jeder der Magensäure restistenten Kapseln waren 8 probiotische Kulturen: Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus casei, Lactobacillus plantarum, Lactobacillus rhamnosus, Bifidobacterium bifidum, Bifidobacterium lactis, Bifidobacterium breve, Streptococcus thermophilus. Durch die Einnahme gelangten auch jene Darmbakterien in den Darm, die ohne den Schutz der Kapsel die Passage durch den Magen wegen der Magen- und Gallensekrete nicht überlebt hätten. Solange ich nicht durch Antibiotikaeinnahme alles wieder durcheinanderbringe und mich gut ernähre, bin ich das Reizdarm-Problem los. Gelegentlich wiederhole ich die Kapsel-Kur.

Kefir – hier als Quark zubereitet – bietet eine reiche Quelle natürlicher Probiotika

Wer durch die richtige Ernährung sein Reizdarm-Syndrom loswerden will, dem wird es nicht nur um den regelmäßigen Verzehr von frischem Kefir zwecks Zufuhr von Probiotika gehen können. Wichtig ist zudem die Auswahl der Lebensmittel und ihre Behandlung, um möglichst gute Bedingungen für die Darmflora zu schaffen. Pflanzlich Nahrungsmittel aus biologischem Anbau, die wenig verarbeitet sind, enthalten viele der natürlich vorkommenden Milchsäurebakterien. Sie sollten vermehrt auf dem Speiseplan stehen!

Nicht erhitzte fermentiert Gemüse bieten ein breites Spektrum an Milchsäurebakterien. Werden Nahrungsmittel, die die natürlich vorkommenden Milchsäurebakterien enthalten, regelmäßig in ausreichender Menge verzehrt, tragen sie als Probiotika zu einer stabilen, gesunden Darmflora bei und unterstützt so das Immunsystem.

Probiotika können die Ansiedlung von krankmachenden Bakterien und Pilze im Darm unterdrücken. Es ist so wie in einem vollbesetzten Bus: Wenn die Anheftungsstellen an der Darmschleimhaut von guten Bakterien besetzt sind, finden die schlechten keinen Platz. Also: Kefirmilch selbst machen und regelmäßig frisch trinken und möglichst schonend zubereitetes Gemüse verzehren. 

Präbiotika sind nicht minder wichtig!

Neben den Probiotika sind nicht verdaubare Lebensmittelbestandteile – die Präbiotika (auch Prebiotika) – für die Darmgesundheit wichtig! Das Wachstum, die Anzahl und die Aktivität der zur gesunden Darmflora gehörenden Bakterienschar wird durch diese Substanzen günstig beeinflusst. Die gute Nachricht: Auch sie nehmen wir in einem ausreichenden Maße zu uns, wenn wir uns gesund und vollwertig ernähren! Es gibt natürlich auch präbiotisch wirksame Substanzen wie Inulin als Nahrungsergänzung im Handel.

Für Substanzen wie Inulin, Lactulose, Lactitol, Raffinose, Stachyose sowie weitere Fructane und Oligofructose haben Wissenschaftlerinnen präbiotische Eigenschaften nachgewiesen. Bekanntermaßen sind auch in Chicorée, Schwarzwurzeln, Topinambur und vielen anderen pflanzlichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten, Zwiebeln, Lauch und Knoblauch Präbiotika natürlich vorhanden. Fermentationsprozesse, also die natürliche Vergärung, scheint sich zusätzlich günstig auszuwirken. Und hier bekommt nun auch mein selbst gebackenes Roggenvollkorn-Sauerteigbrot den verdienten Auftritt! Roggen gilt nämlich auch als Präbiotika!

Weiterführende Informationen, darunter ein sehenswertes Video, in dem Ruth Ley, Direktorin des Tübinger Max-Planck-Instituts für Entwicklungsbiologie, zu Wort kommt, finden Sie bei 3Sat.