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Mikrobiom – was ist das?

Wir leben nicht allein

Die Beschäftigung mit den Kleinstlebewesen, die uns besiedeln, lohnt! Wir leben in Symbiose mit Bakterien, Pilzen, Archaeen und Viren. Die Gesamtheit dieser Mikroorganismen, genauer gesagt ihre acht Millionen Gene, bezeichnet man als Mikrobiom. Dieses Mikrobiom gehört zu uns! Es macht uns  – ebenso sehr wie unser Genom – zu dem, was wir sind. Die meisten Zellen, die zu unserem Organismus gehören, sind keine menschlichen Körperzellen sondern mikrobielle Zellen. Jeder erwachsene Mensch trägt 40 bis 100 Billionen Mikroorganismen in und auf sich. Wir bestehen also aus etwa 10 mal mehr mikrobielle Zellen als aus Körperzellen!

Bei diesem gigantischen Übergewicht ist der Anteil unseres Mikrobioms an unserem Gesamtgewicht erstaunlich gering: etwa 3 Kilo wiegen die Kleinstlebenwesen, die einen Erwachsenen besiedeln. Wir Lebewesen sind im strengen Sinne also keine Individuen, sondern kooperative Gemeinschaften. Wir sind zusammengesetzt aus einem grossen Wirt und vielen winzigen Partnern.

Entscheidend für den Erwerb der lebensnotwendigen Mikrobengemeinschaft ist in der Regel die Mutter (schon vor der Geburt über die Plazenta, dann Geburtskanal, Muttermilch, Hautkontakt …). Interessant ist, dass ein nicht geringer Teil der Muttermilch gar nicht für den menschlichen Säugling gedacht ist, der diese Stoffe überhaupt nicht verwerten kann, sondern für seine wohltätigen Darmbewohner. Können diese den Körper in den ersten Lebensmonaten nicht besiedeln, drohen lebenslange Schäden.

Darmflora

Haut, Schleimhaut, unsere Körperhöhlen: Sie alle werden von unseren Kleinstlebewesen besiedelt.  Diese unterhalten nicht nur symbiotische Beziehungen zu uns, ihrem Wirt, sondern auch untereinander. Im Darm bilden diese Mikroben die sogenannte Darmflora, die uns vor Krankheiten schützt und einen ganz zentralen Teil unseres Immunsystems darstellt. Ist die Darmflora geschädigt – zum Beispiel durch schlechte Ernährung oder Antibiotika – drohen Krankheiten.

Die Umwelt- und Ernährungsbedingungen scheinen auch die Bakterienbesiedlung unseres Darms stark zu beeinflussen. Wissenschaftlerinnen fanden zum Beispiel heraus, dass die Darmflora bei indigenen Völkern am Amazonas um ein vielfaches artenreicher ist, als bei Menschen in ”hochzivilisierten“ Lebensräumen. Ein anderes Beispiel für die Anpassung des Mikrobioms an die Umweltbedingungen: Bei Japanern sind Mikroben im Darm vorhanden, die "Gen-Schnipsel" anderer Bakterien übernommen haben. Dadurch ist der Darm von Japanern in der Lage, Energie aus dem Verzehr von Algen zu ziehen. Die selbe Mikrobenart ist bei uns Europäer zwar auch vorhanden, hat aber diese Umweltanpassung nicht gemacht. Deshalb können wir Algen nicht verdauen.

Forschung

Das menschliche Mikrobiom wurde von der medizinischen Wissenschaft lange ignoriert. 2007 schloss sich die langsam aufkommende Forschung zum Thema unter dem „Human Microbiome Project“ zusammen. Viele Zusammenhänge und Wirkungsweisen sind aber auch nach Ende des Projektes im Jahr 2012 nicht vollständig geklärt. Sicher ist aber, dass in diesem Bereich Forschung lohnt, weil eine Vielzahl hormoneller und mikrobiologischer Prozesse im gesamten Körper mit dem Mikrobiom zusammenhängen. Forscher sehen mittlerweile bei Übergewicht, Alzheimer, Diabetes und Depressionen, Autismus, Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten Zusammenhänge mit bakteriellen Fehlbesiedlungen im Darm. Zum Beispiel sind rund 50 Prozent der Depressionen und Angststörungen von einem Reizdarm-Syndrom begleitet. Kein Wunder: Viele Neurotransmitter entstehen mit Hilfe von Bakterien im Darm. All dies ist ein guter Grund sich mit dem zu befassen, was unserem Mikrobiom zu Gute kommt. Deshalb beschäftige ich mich auf dieser Website mit Ernährung und insbesondere mit der Fermentation von Lebensmitteln.

Im Schatten Pasteurs

Wir verdanken der Forschung Louis Pasteurs, dem Begründer der medizinischen Mikrobiologe, und seinen Kolleginnen und Kollegen unglaublich viel. Die Erkenntnis von der krankmachenden Eigenschaft vieler Bakterien und Viren und die Entwicklung von Hygienevorschriften in der Medizin und im Haushalt waren ein Segen. Bedauerlicherweise scheint die Kehrseite des Erfolges gegen die tödlichen Infektionskrankheiten der Wahnglaube zu sein, alle Bakterien seien schlecht. "Ist das Wasser auch wirklich keimfrei?", fragt das Elefantbaby Tantor im Walt-Disney-Film "Tazan" seine Mutter. "Ich habe solche Angst vor Bakterien!"  Dieses Zitat bringt die Geisteshaltung, die im Schatten Pasteurs gedieh, auf den Punkt! Der im Zeitalter des Hygienewahns ausgerufene Kreuzzug gegen Bakterien hat sich glücklicherweise gelegt, aber dennoch höchste Zeit, unseren Untermietern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. 

Informationen zur Bedeutung von Pro- und Präbiotika für die Darmgesundheit

Fazit

Weil das Mikrobiom des Darms eine so überaus wichtige Rolle spielt, habe ich mich mit Dingen befasst, die ihm guttun. Dabei bin ich auch die Bedeutung der Zufuhr von lebenden Michsäurebakterien gestoßen und in dem Zusammenhang auf die Notwendigkeit, frische, nicht pasteurisierte, fermentierte Lebensmitteln zu konsumieren. Meine Erfahrungen mit Kefir, Sauerteig-VollKornbrot und fermentierten Gemüse publiziere ich hier.